Tambu’s Geschichte beginnt mit Tsitsi Dangarembga‘s Erstlingswerk „Nervous Conditions“ im Simbabwe des Bürgerkriegs der 1960er und -70er Jahre. Aufgewachsen in dörflichen Strukturen lernt sie bei ihrem reichen Onkel einen westlichen Lebensstil kennen und schafft die Aufnahme in eine höhere Schule. Bildung und ein gehobenerer Lebensstil werden zu ihren Zielen und Sehnsüchten, die sie jedoch auch zwischen unterschiedlichen kulturellen Identitäten schwanken lassen.

In „This Mournable Body“ begegnen wir Tambudzai in etwa 20-25 Jahre später. Nicht nur ihr Leben hat sich verändert – nachdem sie ihren Job als Werbetexterin gekündigt hat, lebt sie in einem Frauenwohnheim – sondern auch ihre Erzählweise. Tambudzai erzählt ihre Geschichte nicht mehr aus der Ich- sondern der Du-Perspektive. Damit scheint sie sich von sich selbst zu distanzieren. Es wirkt, als sei sie lediglich Beobachterin ihrer Handlungen und keine selbstbestimmte Akteurin und Dirigentin ihres Lebens. Als Leser*innen rücken wir Tambudzai damit ein Stück näher, liest es sich doch, als würde nicht sie uns, sondern wir ihr erzählen wie sie sich gerade wahrnimmt, wie sie Entscheidungen trifft und Handlungen ausführt – immer jedoch in dem Bewusstsein, dass wir als außenstehende Beobachter*innen niemals jedes dieser intimen Details ihrer Innensicht erahnen könnten.

„She likes you. In spite of your searing need to be favoured, your heart sinks. The snakes in your belly yawn. You feel as though your womb twitches. You are growing suspicious in being liked by this woman, knowing there is nothing about yourself that counts as amiable.“

Es ist weniger der Erzählstrang von Tambudzai‘s Geschichte, der das Buch so faszinierend macht. Vielmehr ist es die Tiefe und Komplexität, die Dangarembga in einzelne Situationen hineinlegt. Sie zeigt die allgegenwärtige Verletztheit der simbabwischen Bevölkerung, auch Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs. Sie macht Gewalt spürbar, wie sie sich vor allem gegenüber Frauen offenbart und zeigt die tiefen Gräben, die fortwährender Rassismus in die Gesellschaft gräbt. Immer spannt sie dabei auch den Bogen zu Tambudzais Biografie, ihren gewachsenen Werten und Sehnsüchten, aber auch tiefen Unsicherheiten. Diese lassen sie immer wieder Entscheidungen treffen, die nicht selten zum Scheitern führen und letztlich nicht nur Tambudzais eigene Identität, sondern auch die ihrer Familie in Frage stellen.

Dangarembgas Erzählung fasziniert auch durch so scheinbar kleine Details wie Tambudzais Schuhe – edle, echte Lederpumps aus Europa. In ihren „Lady Di’s“ manifestieren sich Tambudzais Sehnsüchte wie Ängste. Sie stehen für das, was sie im Leben erreichen wollte und immer noch will. Sie sind aber auch eine Art unerschütterlicher Wegbegleiter, der Tambudzi gleichermaßen von Bewerbung zu Bewerbung sowie immer wieder an neue Chancen heranträgt.

Text: Carolin Knoop

 

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